Altersvorsorgedepot 2027: Der Riester-Nachfolger und seine Förderung

Altersvorsorgedepot 2027 als Riester-Nachfolger – staatlich geförderter Vermögensaufbau
In Kürze: Das Altersvorsorgedepot ist der staatlich geförderte Nachfolger der Riester-Rente und startet am 1. Januar 2027. Es setzt auf ETFs und Fonds ohne Garantiezwang, ist deutlich günstiger und fördert mit bis zu 540 € Grundzulage und 300 € pro Kind. Die Reform ist bereits beschlossen. Stand: Juni 2026. Dieser Beitrag ist ein Ratgeber und keine Anlageberatung. Alle Angaben beruhen auf dem Altersvorsorgereformgesetz mit Stand Juni 2026; einzelne Details werden erst mit den endgültigen Verordnungen final geregelt.

Was ist das Altersvorsorgedepot?

Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich gefördertes Wertpapierdepot für die private Altersvorsorge, in dem Sie mit regelmäßigem Eigenbeitrag in ETFs und Fonds sparen. Anders als die Riester-Rente verlangt es keine verpflichtende Beitragsgarantie – dadurch sind höhere Renditechancen möglich. Es ist nicht zu verwechseln mit einem normalen ETF-Depot beim Broker: Beim Altersvorsorgedepot gibt es staatliche Zulagen und Steuervorteile, dafür ist das Kapital bis zum Rentenalter gebunden. Wer mehr Sicherheit will, kann statt des reinen Depots ein Garantieprodukt mit 80 % oder 100 % Beitragsgarantie wählen.

Ab wann gibt es das Altersvorsorgedepot?

Das Altersvorsorgedepot kommt zum 1. Januar 2027 – die Reform ist bereits beschlossen, nicht mehr nur geplant. Der Bundestag stimmte am 27. März 2026 zu, der Bundesrat am 8. Mai 2026; das Altersvorsorgereformgesetz trat Ende Mai 2026 in Kraft. Ab 2027 können Anbieter die neuen Depots vertreiben. Neue Riester-Verträge sind dann nicht mehr abschließbar. Bestehende Riester-Verträge bleiben erhalten und können weiter bespart werden. Quelle: Bundesregierung, 2026.

Wie hoch ist die Förderung beim Altersvorsorgedepot?

Die Grundzulage beträgt bis zu 540 € pro Jahr – das ist gut dreimal so viel wie die 175 € der Riester-Rente. Die Förderung ist beitragsproportional und in zwei Stufen aufgebaut.
FörderungHöheVoll ausgeschöpft bei
Grundzulage Stufe 150 Cent je Euro auf die ersten 360 € (max. 180 €)30 € / Monat
Grundzulage Stufe 225 Cent je Euro von 361 € bis 1.800 € (max. 360 €)150 € / Monat
Kinderzulage1 € je Euro, max. 300 € pro Kind25 € / Monat
Berufseinsteiger-Bonuseinmalig 200 € (bei Eröffnung unter 25)einmalig
Die volle Grundzulage von 540 € erreichen Sie mit einem Eigenbeitrag von 1.800 € im Jahr (150 € im Monat). Der Mindestbeitrag liegt bei 120 € im Jahr (10 € im Monat). Einzahlen können Sie bis zu 6.840 € jährlich – oberhalb von 1.800 € gibt es zwar keine Zulage mehr, aber den Steuervorteil. Beispiel: Eine Familie zahlt 25 € im Monat (300 €/Jahr) ein und hat zwei Kinder. Sie erhält 150 € Grundzulage plus 600 € Kinderzulage – also 750 € Förderung auf 300 € Eigenbeitrag. Rechnen Sie Ihre persönliche Förderung mit dem folgenden Rechner durch:
Altersvorsorgedepot: Förder-Rechner 2027
Grundzulage / Jahr
540 €
Kinderzulage / Jahr
0 €
Zulagen gesamt / Jahr
540 €
Förderquote
30 %

Zum Vergleich: Riester zahlte maximal 175 € Grundzulage pro Jahr.

Berechnet werden nur die staatlichen Zulagen nach dem Altersvorsorgereformgesetz (Start 1.1.2027). Ein zusätzlicher Steuervorteil über die Günstigerprüfung (§ 10a EStG) ist möglich, hier aber nicht berücksichtigt. Keine Anlageberatung.

Hinzu kommt ein Steuervorteil: Über die Günstigerprüfung nach § 10a EStG kann das Finanzamt die Beiträge als Sonderausgaben anrechnen, wenn das für Sie besser ist als die Zulage. Für Gutverdiener ist dieser Effekt oft der größere Hebel.

Wer profitiert vom Altersvorsorgedepot?

Am stärksten profitieren Familien mit Kindern und Geringverdiener, weil schon kleine Beiträge hohe Zulagen auslösen. Daneben gibt es zwei Gruppen, für die sich grundlegend etwas ändert.

  • Familien: bis zu 300 € Kinderzulage je Kind – schon ab 25 € Eigenbeitrag im Monat voll ausgeschöpft.
  • Selbstständige und Freiberufler: erstmals förderberechtigt, ebenso Mitglieder berufsständischer Versorgungswerke (Ärzte, Anwälte) und Beamte.
  • Junge Sparer: einmaliger Berufseinsteiger-Bonus von 200 € und besonders langer Zinseszins-Zeitraum.
  • Gutverdiener: profitieren vor allem über den steuerlichen Sonderausgabenabzug statt über die Zulage.

Was ist besser: Altersvorsorgedepot oder Riester?

Für die meisten Sparer ist das Altersvorsorgedepot die bessere Wahl, weil es günstiger, flexibler und renditestärker ist. Die folgende Tabelle stellt die Kernunterschiede gegenüber.

MerkmalRiester-Rente (alt)Altersvorsorgedepot (ab 2027)
Anlagemeist Garantieprodukte, 100 % BeitragsgarantieETFs/Fonds, bis 100 % Aktien, Garantie optional
Max. Grundzulage175 € / Jahr540 € / Jahr
Kinderzulagebis 300 € / Kindbis 300 € / Kind
Kostenoft hochDeckel 1,0 % beim Standarddepot
ZugangAngestellte, Beamteauch Selbstständige & Freiberufler
AuszahlungPflicht-Verrentung ab 85flexibler Auszahlplan, keine Pflichtverrentung

Faustregel: Wer weniger als 25 € im Monat sparen kann und mehrere Kinder hat, fuhr mit den festen Riester-Zulagen teils besser – für alle anderen ist das Altersvorsorgedepot ab 2027 attraktiver.

Was passiert mit bestehenden Riester-Verträgen?

Bestehende Riester-Verträge genießen Bestandsschutz und laufen unverändert weiter. Sie müssen nichts tun – können aber ab 2027 freiwillig in das neue Fördersystem wechseln, ohne einen neuen Vertrag abzuschließen.

Ein weiterer Vorteil der Reform: Die bisherige Pflicht, einen Teil des Guthabens in eine teure Rente ab 85 umzuwandeln, entfällt. Der Auszahlplan kann stattdessen einfach weiterlaufen. Prüfen Sie vor einem Wechsel, welche Förderung in Ihrem Fall vorteilhafter ist.

Altersvorsorgedepot oder normales ETF-Depot?

Das geförderte Altersvorsorgedepot punktet mit Zulagen und steuerfreier Ansparphase, das freie ETF-Depot mit voller Flexibilität. Welches besser passt, hängt davon ab, ob Sie das Kapital bis zur Rente fest binden wollen.

Beim Altersvorsorgedepot sind Erträge in der Ansparphase steuerfrei und Umschichtungen kostenfrei; die Auszahlung im Alter wird nachgelagert versteuert. Beim freien Depot zahlen Sie laufend Abgeltungssteuer, kommen dafür aber jederzeit an Ihr Geld und sind nicht ans Rentenalter gebunden. Wie ein klassischer ETF-Sparplan funktioniert, lesen Sie im Ratgeber zum iShares Core MSCI World; die voraussichtliche Wertentwicklung schätzen Sie mit dem ETF-Sparplan-Rechner.

Was ist die Frühstart-Rente?

Die Frühstart-Rente ist ein zusätzliches, geplantes Förderprogramm für Kinder – noch nicht final beschlossen. Vorgesehen ist, dass der Staat für jedes Kind ab dem sechsten Lebensjahr 10 € im Monat (120 € im Jahr) in ein individuelles Altersvorsorgedepot einzahlt, einkommensunabhängig und bis zum 18. Geburtstag.

Die Einführung soll jahrgangsweise erfolgen. Konkrete Details hängen von der endgültigen Gesetzesfassung ab.

Fazit: Lohnt sich das Altersvorsorgedepot?

Das Altersvorsorgedepot beseitigt die größten Schwächen der Riester-Rente: Es ist günstiger, flexibler, renditestärker und erstmals auch für Selbstständige offen. Mit bis zu 540 € Grundzulage und 300 € je Kind ist die Förderung deutlich höher als bisher.

Da der Start erst zum 1. Januar 2027 erfolgt, lohnt sich jetzt vor allem das Vorbereiten: den eigenen Bedarf kennen und früh mit dem Sparen beginnen. Ermitteln Sie Ihre Versorgungslücke mit dem Rentenlücken-Rechner und verschaffen Sie sich einen Überblick über die Möglichkeiten der privaten Altersvorsorge.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlage- oder Steuerberatung. Der Erwerb von Wertpapieren ist mit Risiken bis zum Verlust des eingesetzten Kapitals verbunden. Maßgeblich sind die endgültigen gesetzlichen Regelungen.

FAQ

Was ist das Altersvorsorgedepot?

Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich gefördertes Wertpapierdepot für die private Altersvorsorge und der Nachfolger der Riester-Rente. Sie sparen mit regelmäßigen Beiträgen in ETFs und Fonds, ohne verpflichtende Beitragsgarantie. Dafür gibt es staatliche Zulagen und Steuervorteile, das Kapital ist aber bis zum Rentenalter gebunden.

Ab wann gibt es das Altersvorsorgedepot?

Das Altersvorsorgedepot startet am 1. Januar 2027. Die Reform ist bereits beschlossen: Der Bundestag stimmte am 27. März 2026 zu, der Bundesrat am 8. Mai 2026. Neue Riester-Verträge sind ab 2027 nicht mehr möglich.

Wie hoch ist die Förderung beim Altersvorsorgedepot?

Die Grundzulage beträgt bis zu 540 Euro pro Jahr und ist beitragsproportional: 50 Cent je Euro auf die ersten 360 Euro, danach 25 Cent je Euro bis 1.800 Euro. Hinzu kommen bis zu 300 Euro Kinderzulage pro Kind und ein einmaliger Berufseinsteiger-Bonus von 200 Euro für unter 25-Jährige.

Was ist besser: Altersvorsorgedepot oder Riester?

Für die meisten Sparer ist das Altersvorsorgedepot besser, weil es günstiger, flexibler und renditestärker ist und mit bis zu 540 Euro mehr als die dreifache Grundzulage bietet. Nur wer sehr kleine Beiträge unter 25 Euro im Monat zahlt und mehrere Kinder hat, fuhr mit den festen Riester-Zulagen teils besser.

Was passiert mit meinem bestehenden Riester-Vertrag?

Bestehende Riester-Verträge genießen Bestandsschutz und laufen unverändert weiter. Sie können den Vertrag weiter besparen oder ab 2027 freiwillig in das neue Fördersystem wechseln, ohne einen neuen Vertrag abzuschließen.

Wer ist beim Altersvorsorgedepot förderberechtigt?

Förderberechtigt sind Angestellte und Beamte wie bei Riester – und erstmals auch Selbstständige und Freiberufler sowie Mitglieder berufsständischer Versorgungswerke wie Ärzte und Anwälte. Besonders profitieren Familien mit Kindern und Geringverdiener.

Was ist die Frühstart-Rente?

Die Frühstart-Rente ist ein zusätzliches, noch nicht final beschlossenes Förderprogramm für Kinder. Vorgesehen ist, dass der Staat ab dem sechsten Lebensjahr 10 Euro im Monat einkommensunabhängig in ein individuelles Altersvorsorgedepot einzahlt, bis zum 18. Geburtstag. Die Einführung soll jahrgangsweise erfolgen.